Allianz, AXA und Generali stehen nicht länger für die eigenen Lebensversicherungen ein

2015 donnerte der Paukenschlag durch die deutsche Presse. Die Allianz, Versicherungsprimus in Deutschland rät seinen Kunden vom Abschluß einer Lebensversicherung ab. Dies geschah nicht ganz uneigennützig, denn düstere Wolken zeichneten sich am Finanzhimmel ab. Die Ratingagentur Moody’s warnte die Versicherungswirtschaft vor stürmischen Zeiten. Den deutschen Lebensversicherern rennt die Zeit davon. Langlaufende Staatsanleihen werden fällig und das freie Kapital lässt sich wegen der Minizinsen nicht mehr gewinnbringend anlegen wie früher.

Zugleich haben Lebensversicherer viele alte Verträge mit hohen Garantiezinsen im Bestand. Rund 80 Prozent der deutschen Lebensversicherungspolicen sind Garantieprodukte. Im Schnitt versprechen sie zwischen 2,5 und 3,5 Prozent Zinsen.

Bafin warnte schon frühzeitig vor Versicherungspleiten

Lebensversicherer kürzen bei Kunden, erfreuen aber die Konzernmütter

Weil die Unternehmen aber Gewinne an ihre Muttergesellschaften abführen, erhalten viele Kunden von den Überschüssen weniger als gehofft. So haben die Gesellschaften seit 2017 offenbar trotz mickriger Zinsen gut verdient. Den Löwenanteil haben sie aber mittels spezieller Gewinnabführungsverträge an ihre Konzernmütter abgeführt. 2017 flossen insgesamt 1,5 Milliarden Euro an die Muttergesellschaftenund damit noch einmal 400 Millionen Euro mehr als 2016, zulasten der Kunden. So berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion „Die Linke“.

2016 hatten die Gesellschaften nur 335 Millionen als Gesamtüberschüsse angegeben, ohne die Gewinnabführungen wären es knapp 1,5 Milliarden gewesen. Den Muttergesellschaften flossen also 1,1 Milliarden Euro zu, wie aus im Frühjahr 2018 veröffentlichten Zahlen des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) hervorging. Eine andere interessante Information war, dass die Zahl der Unternehmen mit Gewinnabführungsverträgen seit Inkrafttreten des LVRG von 23 im Jahr 2013 auf 31 im Jahr 2016 gestiegen war. Der SZ zufolge hatten Ende 2017 schon 37 der 67 Aktiengesellschaften unter den Versicherern eine solchen Abführungsvertrag.

Weg mit teuren Altverträgen

Nachdem die Gewinne aus dem Vertragsbestand abgemolken waren, benutzen nun die Versicherer den Exit, um ihre teuren Altbestände loszuwerden.

Der Münchner Versicherungsriese Allianz hat 2017 sein Lebensversicherungs-Portfolio an die taiwanische China Life Insurance in Taiwan verkauft. Die 78.000 hochverzinsten Policen mit Deckungsrückstellungen von 1,2 Milliarden Euro gingen für einen symbolischen Preis von einem Taiwan-Dollar über den Tisch. Die Allianz hatte für die Policen langfristige Zinsgarantien von vier Prozent und mehr gegeben. Das machte sie zunehmend unattraktiv, weil europäische Versicherer für solche Garantien nach dem Regelwerk Solvency II deutlich mehr Kapital zurücklegen müssen als früher.

2018 zog der Versicherungsriese Generali dann die Reißleine und verkaufte 4 Millionen Bestandsverträgean den britischen Investor Cinven und dessen deutsche Tochter Viridium aus Neu-Isenburg, der nun 89,9 Prozent an der Generali Leben hält. Jetzt folgte die Axa wiederum, die ihre irische Tochter Axa Life Europe ebenso an die Viridium abstossen will. Die insgesamt knapp 250.000 Policen, darunter nach Angaben des Branchendienstes „Versicherungsmonitor“ 230.000 mit deutschen Besitzern, sollen an den britischen Investor gehen.

Die Allianz trennt sich auch von der Haftung

Die Allianz Deutschland hat bereits 2017 den Gewinnabführungsvertrag mit ihrer Lebenstochter gekündigt. Mit dem Schritt hat der Versicherer zwar kein Anrecht mehr auf Ausschüttungen von der Allianz Leben (Die Allianz hat mit diesem Vertrag laut der SZ von 2015 bis 2017 rund 1,29 Milliarden Euro von der Lebenstochter erhalten), muss aber auch nicht mehr für deren etwaige Verluste einspringen. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ). Das Prinzip „Mitgefangen, mitgehangen“ hinter „Gewinnabführungsverträgen“, gilt nun für die Allianz Deutschlandnach Auflösung dieses Vertrages nicht mehr. Sie muss für Verluste ihrer Lebenstochter nicht mehr geradestehen.

Die KBW AG (Schweiz) bietet Lebensversicherungskunden neben einer EXIT-Strategie für Lebens- und Rentenversicherungen auch eine sichere und attraktive Alternative zur Altersvorsorge an. Gerne nehmen wir Ihre Anfrage oder Terminwunsch bundesweit entgegen.

Gemolken, Geschröpft und nun Verkauft!
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